Neubau Stadthaus
Gründungsviertel Lübeck – Fischstraße 28a
Auf dem im 2.Weltkrieg stark zerstörten Areal des ältesten Kaufmannsviertels der Lübecker Altstadt ist zwischen Marienkirche und Trave ein neues Stadtquartier entstanden. Nach dem Krieg wurden hier zunächst große Einzelgebäude für berufsbildende Schulen platziert.
Im Bereich zum Nachbargebäude Nr. 28 verlief im historischen Stadtgrundriss als Abzweigung von der Fischstraße die Krumme Querstraße. Dies ist am Grenzverlauf der Parzellen im Hof des Baublockes ablesbar. Der Eingang des Neubaus mit seinem ausdrucksstarken, asymmetrisch verbreiterten Rundbogenmotiv markiert die ehemalige Lage der Straße. Als kleines, sichtbares Detail zeichnet der Türgriff den Verlauf der ehemaligen Krummen Querstraße nach und erinnert an den Stadtgrundriss vor der Zerstörung im Jahr 1943. Ein Metallguss- Reliefschild im Portal verweist auf diese Geschichte des Ortes.
Lageplan
Hinweisplakette am Eingangsportal
Das Gebäude verfügt über 4 Wohneinheiten à 4 Zimmer in den Größen von 90 bis 105m². Nach Vorgabe des Bebauungsplanes beträgt die Geschosshöhe im Erdgeschoss 4,50m. Die hohe Geschosshöhe ermöglicht in Verbindung mit dem ebenfalls hohen Kellergeschoss in Teilbereichen das Einziehen einer Zwischenebene, bzw. Split-Level- Anordnung zum Hof hin. Alle Wohnungen sind nach dem Durchwohnprinzip organisiert. Dabei ermöglicht die Lage des Gebäudes in Achse der Einhäuschen Querstraße den Blick nach Süden hinüber bis zur 80m entfernten Braunstraße. Die Fassaden sind mit einem rötlich changierendem Verblendziegel gemauert. Ein Gesims aus Betonfertigteilen setzt den Sockelbereich der straßenseitigen Ansicht vom Hauptfeld der Fassade ab. Die Fenster der Obergeschosse sind nach oben und zur Mitte hin leicht verdichtet angeordnet, die vertikalen Mauerwerksleibungen abgestaffelt. Die Stulp-Fensterflügel sind bodentief, auswärts öffnend und mit innenliegenden Glasbrüstungen als Absturzsicherungen ausgestattet. Die Erdgeschosszone besitzt eigenständige, besondere Öffnungsformate und wird dadurch trotz des durchgängigen Ziegelmaterials für sich definiert. Besonders prägnant ist das asymmetrisch verbreitere Rundbogenmotiv des Eingangsportals. Der untere Sockel ist ebenfalls aus Beton und verbindet sich optisch mit dem zurückgestaffelten Betonbogen des Eingangsportals.
Mit seinen Bezügen zum historischen Lübecker Bürgerhaus leistet das Gebäude Fischstraße 28a einen wertvollen Beitrag für dieses herausragende städtebauliche Projekt im UNESCO Welterbe Lübecker Altstadt.
Grundrisse EG bis DG
Architekturführer 2025 Deutsches Architekturmuseum Frankfurt
BDA-Preis 2023 Schleswig Holstein
Nominierung DAM Preis 2025
2. Rang - Auszeichnung
Bauherr: privat
Leistungsphasen: 1-4
Statik und Brandschutz: AWB- Ingenieure, Lübeck
Ausführungsplanung: Spilker Architektur BDA, Schröder-Berkenthein+Spilker
Bauleitung: Kay Urban, Lübeck
Bildnachweis: Daniel Sumesgutner, Hamburg
Modellbau: Wischhusen Modellbau, Hamburg